Shanghai - in Steff´s eye view
Sonntag, 19. Mai 2013
Im Schwimmbad
Wie erhöht man seine Frustrationstoleranz in Hygienefragen? Ganz einfach - man gehe ins Hallenbad. Mein Taucherherz ist schon ganz schwermütig ohne das Gefühl im Wasser dahinzugleiten. Zwar gibt da die Luftfeuchtigkeit schon einiges her, aber ganz so elegant wie die Bewegung im Wasser ist selbst mein elfengleicher Landgang nicht. Bei einem Hallenbad in einem 4 oder 5 Sterne Hotel fühle ich mich auf der sicheren Seite. Habe mir sagen lassen, dass der Versifftheitsgrad dieses Bads für chinesische Verhälnisse akzeptabel ist. Wie auch sonst überall stelle ich nach Verlassen der schönen äußeren Fassade fest, wie die Räumlichkeiten bereits in die Jahre gekommen sind. Trotzdem zahle ich den 3-fachen Eintrittspreis, den man in Deutschland für vergleichbares zahlen würde. Das Schwimmbecken ist ca 20m lang. Die ein oder andere Stelle an den blauen Fliesen schimmert grünlich. Naja, will mal nicht kleinlich sein, bin ja ein Naturfreund. Man sollte nicht vom Beckenrand springen. Wahrscheinlich mangels Tiefe. Ich kann überall stehen. Dennoch erscheint mir der Einstieg über die marode ächzende Leiter weitaus gefährlicher. Ich stürze mich in die Fluten. Endlich Wasser um den ganzen Körper herum! Bei 28° Wassertemperatur unterm Glasdach komme ich ganz schön ins Schwitzen. Eine Badekappe ist Plicht. Der Vorteil ist, dass ich die nervige Hintergrundmusik nicht mehr so gut hören kann. So ziehe ich also in Ruhe schöne slalomfreie Bahnen, da kaum was los ist und geniesse es von meinem Lieblingselement getragen zu werden. Danach konfrontiere ich mich gnadenlos mit den Schrecken der Dusche. Wie gesagt will ich meine hygienische Frustrationstoleranz steigern. Sonst immer ein Badelatschenmuffel bin ich heute überglücklich, dass ich meinen Füssen diesen Boden nicht antun muss. Es ist ein wenig glitschig in der Kabine, die ich mir mit einem Büschel schwarzer Haare und einer kleinen toten Spinne teile. Um den vergilbten Duschvorhang zu ignorieren wandert mein Blick zur Decke. Augenblicklich erkläre ich den Durschvorhang zu einer wahren Augenweide, denn dort oben findet eine schwarze Schimmelpilzparty statt. Tausende Gäste sind geladen. Nach intensiver Körperreinigung inspiziere ich noch die Sauna. Sieht okay aus, ist allerdings kalt. Ein Glück, das ein Schild mich lebensrettend davor warnt, Kopfüber in das 0,9 m tiefe Jaccusi zu springen! Mal ganz abgesehen davon, dass ich keineswegs erwäge auch nur den Fuss hineinzustrecken. Wäre doch unverschämt, am Sonntag die kleinen Algen zu stören. Auch an die Tauchsportfreunde wird gedacht. Der ambitionierte Taucher findet in dem Jacussi nicht nur mikroskopisches Leben sonder auch Angaben über die Tiefen von 0,7 über 0,8 bis zu 0,9 m. Damit ist gewährleistet, dass er seine Tauchtiefe jederzeit unter Kontrolle hat. Mein Fazit: Wahrscheinlich geht es ohne Sternvergabe tatsächlich noch schlimmer. Oberflächlich ist das Bad sauber und mit einer gewissen Ignoranz annehmbar. Das Schwimmerbecken ist wirklich okay, duschen kann ich auch zuhause. Leider ist der Preis völlig unangemessen, aber als Taucher nimmt man ja so einiges auf sich. Und: Endlich habe ich meine Liebe zu Badelatschen und Badekappen entdeckt!!!

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Samstag, 4. Mai 2013
Gouwu - shopping for beginners
Auch wenn´s manchmal nervt, regelmäßige Ausstattung von Kühlschrank und Haushalt lässt sich leider nicht vermeiden. Frohen Mutes schreite ich zur Tat und in den chinesischen Supermarkt hinein.

Jetzt ist es bewiesen:
wer LESEN kann ist klar im Vorteil :-)

"Und wer die Wahl hat hat die Qual" denke ich, als ich ratlos vor zig1000 bunten Zahnpastatuben stehe. Aha, Sensodyne...das kann ich lesen...kenn ich...in den Warenkorb!
Beim Waschmittel wird´s schon OMOmäßig etwas schwieriger. Nachdem ich gefühlte 2 Stunden ratlos die Etiketten begutachtet habe, erbarmt sich eine Verkäuferin und drückt mir mit freundlichem Lächeln und den Worten "hen hao" ein Mittelchen in die Hand. Nagut, vertrauensvoll lasse ich auch dieses in meinen Warenkorb wandern.
Stufe 3: Bodylotion: Kann auf den ganzen Flaschen in der Drogerie-ecke nix lesen, weit und breit niemand anzutreffen, der englisch Spricht (von deutsch wage ich nicht zu träumen). Also auf gut Glück zugreifen... 3-2-1...meins....nur zur Sicherheit gleich mehrere verschieden Fläschlein ins Körbchen. Dazu noch allerlei Kram wie Wäscheständer, Kleiderbügel, Nahrungsmittel usw.
An der Kasse fällt mir ein, dass ich den ganzen Krempel ja zu Fuß nach Hause schaffen muss. "Hmmmm nicht nur Analphabet sondern auch noch doof ;-)" denke ich mir und schleppe alles Heim.
Schweissgebadet packe ich meine ganzen Schätze aus. Das Waschmittel passt. Der Weichspüler ist ein Desinfektionsmittel...schadet sicher auch nicht. Die heiss ersehnte Bodylotion befindet sich leider in keiner der Flaschen - alles Duschgel. Vielleicht sollte ich eine Schaumparty schmeissen.

Beim nächsten mal muss die Sprach-App mit!!!

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Erste Eindrücke
Die Sonne kitzelt mich an der Nase. Verschlafen reibe ich mir den Traum von jetzt fernen grünen Wäldern und Wiesen aus den Augen. Noch ungelenk angle ich meine Schuhe unter dem Vordersitz hervor.

Landeanflug auf Shanghai.

Abwesend und mit gemischten Gefühlen kaue ich auf meinem Frühstück herum. Wir setzen auf, ich steige aus und es schnürt mir die Kehle zu. Die Luft brennt in meinen Augen...
Meine chinesische Freundin Fen eilt mit ihrem Mann zum Flughafen, um mich abzuholen. Ihr vertrautes Gesicht lässt mich aufatmen. Wir brausen durch die Stadt. Alles ist sooooooo groß ... meine Augen auch.
Wieder alleine stehe ich in meinem rießigen Apartment und verliere mich darin. Also schnell anziehen und hoch zu Sören´s Party. Zhu ni shengri kuaile ... happy birthady! Und danach in die Disse das Tanzbein schwingen... Neue Gesichter, haufenweise hupende Autos, Subway, Staub, Mief, Lärm, Lichter, Menschenmassen....die Eindrücke prasseln wie eine Regenfront auf mich ein. Die Welt dreht sich im Kreis, alles in mir brennt. Mit wackeligen Knien halte ich inne und muss mich sammeln. Der Schmerz des Verlusts eines alten Lebens schlägt mich zu Boden. Ich weine, will zurück, wehre mich und bleibe dann liegen...
Vorsichtig schaue ich mich um. Die ersten Schritte machen mir Hoffnung. Jeder weitere Schritt in mein neues Leben macht mich glücklich!!!
Shanghai hat 1000 Gesichter. Häßliche.....aber auch wunderschöne. Ganz sicher liefert diese Stadt auch mehr als 1000 Geschichten! Viel Spaß!

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Letzte Aktualisierung: 2019.04.17, 19:13
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Im Schwimmbad
Wie erhöht man seine Frustrationstoleranz in Hygienefragen?...
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