| Shanghai - in Steff´s eye view |
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Mittwoch, 30. Oktober 2013
Lieblingsplätze...
chinasteffi, 20:30h
Im Rummel einer Megacity ist es nicht einfach, Oasen der Ruhe zu finden. Vor allem nicht solche, wie sie mir normalerweise vorschweben: Natur, Frischluft (hust), Stille, Einsamkeit, Weite...
Nachdem ich ein paar Abstriche gelten lasse und den Blickwinkel entsprechend anpasse kann ich trotzdem behaupten ein paar Inseln für mich entdeckt zu haben: 1.) Costa Coffee Das kleine Cafe gleich bei uns um die Ecke darf mich inzwischen Stammgast nennen. In gemütlicher Atmosphäre und meinem Lieblingssessel stecke ich gerne Sonntagmorgends meine Nase in den Kindl und lese kaffeeschlürfend meine Bücher. Manchmal küsst mich hier auch die Muse und ich haue in die Tasten. Hier kann man der realen Welt wunderbar entfliehen... 2.) Diva Life Das Kosmetikstudio und SPA meines Vertrauens! Ein Kleinod in der French Concession, welches sich in einer kleinen Gasse versteckt. Man tritt ein und fühlt sich wohl. Egal was anliegt -zerknittertes Gesicht nach zuviel Feiern, angeknackstes Ego, abgebrochene Fingernägel - ich komm raus und fühle mich wie neu. Die Dekoration ist unsteril behaglich in zarten Lilatönen gehalten. Kein stylisches Studio sondern eine perfekt dem Flair des alten Gebäudes der französischen Kolonialzeit angepasste Einrichtung. Unter fachkundigen Händen und begleitet von wunderschön gecoverten Lovesongs kann man hier allem Trubel den Rücken kehren... 3.) Yu Garden Ich gebs zu...ich war erst einmal da. Die Öffnungszeiten und der Eintrittspreis machen es einem nicht gerade leicht, sich in dieser Oase einzufinden. Hier hat man Natur und Gartenkunst in Vollendung. Überhaupt sind sämtliche Gärten und Parks, die ich bisher gesehen habe sehr eindrucksvoll gestaltet. Im Gegensatz zum Strassenbild sind diese Gärten genau richtig komponiert. Yu Garden finde ich besonders zauberhaft. Gerne lasse ich mich dort wieder zum träumen einladen... Ja, man kann einiges finden. Nur mit der Frischluft ist es schwierig. Bin noch auf der Suche nach dem Strassenstand, der Frischluft "made in Germany" in Dosen verkauft. Der hätte dann auch echte Chancen zum Lieblingsplatz ernannt zu werden!!! Einen echten Kraftort habe ich bisher nur in physikalischer Form aufgetan: Mein Fitnessstudio mit personal Trainer, der nicht nur meine Muckis sondern auch meinen chinesischen Wortschatz aufbaut. Was die innere Kraftquelle angeht, muss ich wohl lernen diese auch unter unbequemen Bedingungen anzuzapfen... Eine Lektion fürs Leben... ... link (0 Kommentare) ... comment Sonntag, 8. September 2013
Qingdao
chinasteffi, 15:44h
Es kann nicht angehen als deutsche in China, nicht in Qingdao gewesen zu sein. Also nix wie los zum Wochenendtrip in die ehemalige deutsche Kolonie, in der das legendäre Tsingdao Bier gebraut wird, welches uns hier literweise durch die Kehlen rinnt. Um das Timing perfekt zu nennen begeben wir uns pünklich zum Qingdao International Beer Festival auf die Reise. Man sagt uns Deutschen hier nach, dass wir Unmengen von Bier vertilgen können. Anscheinend haben viele das Bild des dauerbiersaufenden Germanen im Kopf. Was für mich irgendwie ein abschreckendes Bildnis darstellt, scheint in manchen Vorstellungen allerdings nachahmenswert zu sein. So kommt es, dass wir im Bierzelt auf reges Interesse stossen. Jeder stösst mit uns an und wir werden sehr freundlich und herzlich in die Partygemeinde aufgenommen. Der Masskrug leert sich mit einer schwindelerregenden Geschwindigkeit und auf der Bühne wird fröhlich das Komasaufen propagiert.
Doch zurück zum Anfang unseres Abenteuers. Die Ankunft im Hotel des Grauens... Im Dunkeln erhebt sich ein sympathisches altes Gebäude mit Meerblick vor uns. Der Geruch, der gleich beim Betreten unerbittlich in meine Nase eindringt, bringt meine Zuneigung doch leicht ins wanken. Müde stehen wir an der Rezeption und stellen fest, dass wir leider keiner gemeinsamen Sprache mächtig sind. Zudem ist der zu bewältigende Bürokratiekram wieder mal unglaublich umständlich, doch zum Glück leben wir in fortschrittlichen Zeiten, in denen man für alles eine App zur Verfügung hat... Jedenfalls dann, wenn man nicht gerade eben sein Handy im Taxi liegen gelassen hat. Ich krame in meiner Handtasche. Zunächst noch gelassen-amüsiert, weil ich immer kramen muss. Dann hektischer. Dann panisch. Und dann dämmert mir was passiert ist. Wir versuchen den Damen an der Rezeption begreiflich zu machen, was die Lage ist, aber sie verstehen uns nicht. Also beschliesse ich, das Ganze einfach mal vorzuspielen. Grosse Augen starren mich während meiner Scharade ungläubig an. Ein junger Mann betrachtet mich interessiert, als wäre ich gerade einem UFO entstiegen. Mir wird klar, dass ich die Schauspielkarriere direkt wieder aufgeben kann. Die Damen an der Rezeption rufen zumindest bei der Nummer auf der Taxirechnung an, aber ohne nennenswerte Ergebnisse. Ständig versuchen sie mich auf´s Zimmer zu schicken. Dann kommt die Rettung. Ein Kollege versucht mich anzurufen und der Taxifahrer geht ran. Wir drücken das Gespräch den netten Damen ans Ohr und erfahren, dass der Fahrer fast den doppelten Preis, den wir vorher für die Fahrt vom Flughafen gezahlt hatten, für die Herausgabe des Handys verlangt. Aus der Not anderer noch Kapital zu schlagen finde ich das allerletzte, aber der Gedanke an Ärger mit Polizei und Behörden wegen 40 Euro erscheint mir noch abstossender und so steht der Deal. Zwei Stunden später halte ich mein geliebtes Galaxy wieder in Händen. Der nächste Schock ist das Zimmer. Das Hotel quält einen permanent mit modrigen Duftschwaden und ist hübsch mit allerlei Stockflecken und dicken Schimmelteppichen bestückt. Auch die stattliche Dachterrasse mit Meerblick meines Kollegen kann mich nicht versöhnlich stimmen. Es ist schlicht ekelerregend. Und mit Sicherheit ungesund. Wieder mal ein anmutig schönes Gebäude, das man einfach vergammeln lässt. Die Chinesen scheint das nicht sonderlich zu stören, das Hotel ist rammelvoll. Selbst Familien mit kleinen Kindern wagen sich ins Gammelparadies. Als ich meine Zimmertür öffne haut mich der Mief fast um. Ich verdränge meine Visionen von allerlei Getier in meinem Bett, reisse das Fenster auf und beschliesse mich ganz dem deutschen Klischee entsprechend bis obenhin voll laufen zu lassen, um das ertragen zu können. Gesagt getan, raus aus der Stinkebude - rein in die nächste Bar. Dort spielt eine richtig gute Philippinische Band. Die gute Stimmung lässt mich großzügig über die schlechten Blindmacher (die nennen es Cocktails) hinweg sehen. Als der Laden schliesst sind wir immer noch zu nüchtern. Wir machen uns auf die Suche nach einem Club. Später auf dem Heimweg speisen wir an einer Strassenküche. Vor meiner Reise nach China erschien mir das schon allein aus hygienischer Sicht unvorstellbar, aber vieles wird irgendwann zur Normalität. Es ist saulecker und lustig. Mit ausreichend betäubten Sinnen finde ich in einen unruhigen Schlaf. Das Frühstück will ich gar nicht erst sehen und wir brechen direkt zur Stadterkundung auf. Wir entdecken ein sehr verstecktes und schönes Cafe. Ein echter Geheimtipp mit lecker Kaffee und Schokokuchen. Auch sonst hat die Stadt vieles zu bieten und ist wirklich sehr schön. Hier und da lugt ein Fachwerkhaus hervor und erzählt Geschichten aus deutscher Vergangenheit. Zwei Kirchen schmiegen sich in die chinesische Umgebung und erheben ihre Türme majestätisch in den Himmel. Unser erster Weg führt uns über das Kleinod von Cafe direkt ins Gefängnis. Wir besichtigen Zellen, Gänge und Folterkammern. Die menschliche Grausamkeit lässt mich mal wieder erschaudern. Die üblichen 1000 unbeantwortbaren Fragen nach dem "Warum" wollen sich mir aufdrängen, verblassen aber gnädigerweise als wir am Hafen entlangschlendern und im Wettlauf mit der Sonne ein Eis am Stiel wegschlürfen. In einer Unterführung mit allerlei Krimskrams und Läden tut sich ein leckerer Fischmarkt auf. Inmitten des Gewusels stehen Bierbänke unter denen sich Essensreste türmen. Zwischen Knochen und Muschelschalen lassen wir und nieder, schlürfen unser erstes Bier und probieren verschiedene Fleischspiesse aus. An sich ekelig, erscheint uns das absurde inzwischen alltäglich und es schmeckt. Wieder im Tageslicht erstehen wir einen lustigen Chinesenhut und pilgern weiter. Vorbei an einem Elektriker, der an einer Hausfassade halsbrecherisch seinen Kabelsalat anrichtet kommen wir zur katholischen Kirche. Leider bleiben ihre Tore für uns verschlossen, aber das Schauspiel davor ist mindestens genauso interresant. Da tummeln sich etwa acht Brautpaare zum Fototermin. Direkt gegenüber befindet sich ein Brautladen. Heiraten als Volkssport? Wir schlendern an Plakaten mit Eheweisheiten entlang, lernen dabei was wir alles falsch gemacht haben und landen schliesslich an der evangelischen Kirche. Im Glockenturm lehnt oben eine Leiter an einem Gemälde mit Jesus und seinen Schäfchen. Auf der Leiter steht "do not climb". Sieht so aus als wäre einem selbst in der Kirche der Stairway to Heaven verwehrt. Konkreter spürbar wir das, als wir im Kirchenschiff Überwachungskammeras vorfinden. Bloß nicht von rechten Weg abkommen. Im Palast des deutschen Gouverneurs ergreift mich das Gefühl der Erhabenheit, das dort wohl vorgeherrscht hatte. Prunk- und dennoch geschmackvoll hat man es sich dort sicherlich sehr gut gehen lassen. Deutscher Wohlstand am Rande von Armut und Unterdrückung der eigentlichen Bevölkerung. Nunja. Wir geniessen ein zünftiges deutsches Mahl mit Tsingdao. Jedenfalls sowas ähnliches wie Nürnberger Würstchen und Schnitzel. Noch mehr geniessen wir den Blick ins Grüne, die Ruhe und die gute Meeresluft. Leider meint ein chinesischer Barde mit Gitarre und großen Lautsprechern uns beglücken zu müssen. Ruhe und Kontemplation scheinen hier nicht erwünscht zu sein. Dann auf zum Bierfest, wo Lärm und Atmosspäre wenigstens zusammenpassen. Dafür dass es ein internationales Fest sein soll, sieht man kaum anders Volk als das Chinesische. Damit werden wir zu einem der Highlights der Party im Hofbräuzelt. Man teilt das Essen mit uns, lichtet und zig mal ab und wir haben einen Megaspass zusammen. Manchmal hat Bier auch eine kulturell verbindende Wirkung. Es ist richtig lustig. So gegen elf werden dann die Bordsteine hochgeklappt und wir erkämpfen und zwischen den stockbesoffenen chinesischen Partygängern ein Taxi. Noch nicht blau genug, um das Ekelhotel zu ertragen, geht es wieder in den Club, zur Philippinischen Band und zur Strassenküche. Da sitzen wir glückseelig inmitten von Essenresten und kauen auf den vorzüglichen Fleischspießen herum. Der nächste Tag führt uns direkt ins unser neues Stammcafe zum Schokokuchen und dann ins Tsingdao Brauereimusseum. Das Musseum ist sehr informativ und schön gestaltet. Endlich kommen wir mal in den Genuß des Rohbieres, was viel besser schmeckt, als das verdünnte Tsingdao am Ende. Nachdem wir uns einen Vorgeschmack im Betrunkenheitssimulator geholt haben, fühlen wir uns berufen gleich noch ein Bierchen zu bestellen und lassen es uns gut gehen. Es heisst "Wein auf Bier - das Rat ich dir". Somit ist es fast schon eine Pflicht direkt danach das Weinmusseum zu besuchen. Dies ist dann aber doch eher zu weinen. Das Musseum wurde offensichtlich von einem Weinliebhaber mit viel Geld und Liebe errichtet, war aber letztendlich kitschig und aberwitzig in seinem Informationsgehalt. Außerdem gibt es lediglich einen kleinen Tropfen Wein zum Testen... In den umliegenden Restaurants in der Weinstrasse finden wir keinen einheimischen Wein, für den laut Museeum Qingdao so berühmt sein soll. Copy Paste von Bier nach Wein funktioniert ungefähr genau so toll wie von Excell nach Powerpoint ;-)...etwas verschoben... Das Auschecken im Hotel des Grauens erweist sich auch wieder als Herausforderung und schon ist unser Aufenthalt wie im Flug vergangen. Wir begeben uns auf die Rückreise, die in ein weiteres Abenteuer auf dem Flughafen Shanghai Pudong münden soll... Na denn Prost! ... link (0 Kommentare) ... comment Sonntag, 23. Juni 2013
Zeitgefühle
chinasteffi, 15:52h
Seit meinem letzten Eintrag ist schon einige Zeit verstrichen. Allerdings hat niemand meinen letzten Beitrag zu Gesicht bekommen, da dieser nach 1 Std Schreibarbeit beim Speichern und Veröffentlichen einfach verloren gegangen ist. Grrrrr. Fruuuuuust. Ich fand den Text wirklich gut und musste erst mal eine gewisse Zeit verstreichen lassen, um über diesen Verlust hinweg zu kommen. Das wäre dann wohl ein Trauerzeitgefühl. Oft hat mich auch das "eigentlich-müsste-ich-endlich-mal-wieder-schreiben"- Zeitgefühl heimgesucht. Gemeinerweise aber immer dann wenn andere Zeiten gefüllt werden mussten und ich entweder keinen Nerv, keine Idee oder schlicht keine Zeit hatte. Die Uhren in China ticken nämlich auch ganz anders. Es gibt ein chinesisches Sprichwort das besagt: "Wenn Du´s eilig hast - geh langsam". Wenn ich da so drüber nachdenke während ich mich durch überfüllte U-Bahn Stationen schlängle, wird mir so einiges klar... Ganz offensichtlich haben es ALLE Chinesen immer furchtbar eilig und setzten dabei gewissenhaft ihr Sprichwort um. So bewegen sie sich wie Momo´s Kasiopeia geschickt an den zeitfressenden grauen Herren vorbei während ich hektischen deutschen Stechschritts meine Zeitenergie verschleudere. Wie das Bankkonto so auch das Zeitkonto ;-)... Manchmal entsteht in mir ein Zeitverlustgefühl. Dann blicke ich auf´s schon gelebte Leben zurück und habe den Eindruck, dass mir die Zeit einfach so durch die Finger rinnt. In solchen Momenten will das Leben bis an den Rand mit Eindrücken und Schönheit gefüllt werden und es ensteht ein Zeitdruckgefühl, das auch entsteht wenn man mit einer Sache spät dran ist. Die Zeit kann sich wiedersprüchlich darstellen: Seit 2 Monaten bin ich in Shanghai und irgendwie vergingen die Tage wie nix. Gleichzeitig kommt mir alles wie eine Ewigkeit vor, weil ich so viel erlebt und gesehen habe. Schnell und langsam zur gleichen Zeit. Die Zeitgefühlsachterbahn, die ich hier fahre, macht mich schwindlig. Es gibt Tage, die sich wie Kaugummi ziehen. Dann liegt mir die schwüle Wärme Shanghais auf den Schultern, die graue Luft trübt meine Gedanken und mein Herz wird schwer vor Sehnsucht. Dabei verliert sich das Zeitgefühl vor lauter Heimweh ins unendliche und ich könnte die Wände hochkrabbeln, weil ich nicht weiss wohin mit all den überkochenden Emotionen. Und es gibt Tage, die sind so schmetterlingsflügelleicht mit einem Lachen im Herzen und Flugzeugen im Bauch, die dann leider sprichwörtlich wie im Flug vergehen. Rasant, wunderschön und oft viel zu schnell. Glückszeitgefühl. Zeitweise frage ich mich, wie lange ich das zeitgemäß durchstehe und Zweifel nagen an mir. Ich weiss nicht, was die Zeit noch bringt. Ich hoffe allerdings, viele viele Glückszeitflüge buchen zu können, die auch mal länger andauern. Die Zeittäler dürfen gerne etwas weniger tief sein, vielleicht insgesamt mehr lineare Zeitgefühle, aber ohne dass dabei ein Langeweilegefühl entsteht. We will see... Dinge und Zeit wünschen sich freien Lauf. Go with the flow........
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Letzte Aktualisierung: 2019.04.17, 19:13 status
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Im Rummel einer Megacity ist es nicht einfach, Oasen... by chinasteffi (2019.04.17, 19:11) Zeitgefühle
Seit meinem letzten Eintrag ist schon einige Zeit verstrichen.... by chinasteffi (2013.06.23, 15:52) Schon mal daran gedacht...
... ein Buch zu schreiben? Also ich muß echt... by justlukas (2013.06.05, 18:53) Im Schwimmbad
Wie erhöht man seine Frustrationstoleranz in Hygienefragen?... by chinasteffi (2013.05.19, 18:10) |
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